Windkraft: Windpark Adlerhorst

2003 ging nach zehnjähriger Planung der erste Bürgerwindpark Ahrenviöls ans Netz, betrieben von acht Bauern aus dem Dorf, von denen zwei als Geschäftsführer fungieren. Installiert sind fünf 2,5 MW-Anlagen von Nordex mit einem Rotordurchmesser von 80m, außerdem südlich davon in Wester-Ohrstedt drei 1,5 MW-Anlagen mit 70m Rotordurchmesser. Gemeinsam produzieren sie jährlich 30 Millionen Kilowattstunden Strom - den Jahresbedarf von annähernd 8.500 Haushalten. Die erzeugte Elektrizität wird komplett verkauft und ins Netz eingespeist.

 

Bei den 2,5 MW-Mühlen handelt es sich mit um die ersten Anlagen dieser Größe. Nach zehn Jahren, der Hälfte ihrer Lebenserwartung, lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Die Rotorblätter wurden 2013 überarbeitet, erwiesen sich aber als gut. Hingegen war an fast jeder Anlage bereits ein Getriebetausch fällig. Der Windpark hält ein Austauschgetriebe vor, das statt des defekten in die Mühle eingebaut wird, und das ausgebaute Getriebe wird anschließend instandgesetzt. So müssen Monteure und Autokran nur einmal anrücken. Dennoch liegen die Kosten für einen Getriebewechsel bei 200.000 Euro.

 

 Hauptlagertausch Nordex N80

 

So eine Windmühle ist ein Wunderwerk der Technik. Die Steuerung der Rotorblätter erledigt in etwa die Aufgabe eines erfahrenen Regattaseglers, nämlich den Anstellwinkel zum Wind ständig optimal zu justieren und jede kleine Brise optimal zu nutzen. Es werden regelmäßig Öl- und Fettproben genommen, die den Zustand von Lagern etc. anzeigen. Zusätzlich sind Sensoren installiert, die an verschiedenen Stellen Vibrationen aufzeichnen (Conditional Management System). Das rechtzeitige Erkennen von Lagerverschleiß vermeidet teure Folgeschäden.

 

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Für die Zukunft ist ein weiterer Bürgerwindpark mit 3-5 Anlagen im Osten Ahrenviöls vorgesehen, in dessen Planungsbeirat Gunnar seit Jahren sitzt. "Adlerhorst" soll um drei Mühlen und mehr allgemeine Bürgerbeteiligung erweitert werden. Der Geschäftsführer kann unerschöpflich viele Geschichten erzählen über die Schwierigkeiten mit Planungen dieser Größenordnung. Schon der Bau der ersten Mühlen verzögerte sich erheblich, weil unter anderem die Bundeswehr Bedenken anmeldete: Der Windpark steht im Einflussbereich des Nato-Flugplatzes Schwesing.

 

Die Wirtschaft des Landes Schleswig-Holstein wäre heute gar nicht mehr denkbar ohne Windenergie. 3000 Megawatt sind installiert (Stand 2014, das ist mehr als die Leistung des AKW Brokdorf), mit den ausgewiesenen Flächen und Repowering (Austausch vorhandener Anlagen gegen größere neue) könnten es 9000 MW werden. Dabei handelt es sich allereings um die Nennlast. Sie wird bei neuen Anlagen bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s erreicht, das entspricht Windstärke 5. Die Mühlen von "Adlerhorst" brauchen 13-14 m/s, einen Wind, bei dem eine Segelyacht bereits besser im Hafen bleibt. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Nabenhöhe (60 Meter) liegt lediglich bei 6,5 m/s.

 

Der Trend geht zu höheren Anlagen mit 90 m Nabenhöhe, wo dann auch erheblich mehr Wind weht. Der größere Rotordurchmesser führt zu langsameren Drehzahlen, was ein ruhigeres Bild ergibt. Der Mindestabstand zur Wohnbebauung wurde erhöht, um störende Schlagschatten von Fenstern und Gärten fernzuhalten. Das bekannte Argument der "Verschandelung der Landschaft" weicht allmählich einer allgemeinen Akzeptanz. Und Betreibermodelle wie "Adlerhorst" einschließlich der von Gunnar und seinen Mitgesellschaftern vorgenommenen Lobbyarbeit rücken ein so wichtiges Feld wie die Energieerzeugung näher an die Bevölkerung.

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