Zeit für die Familie

Zuletzt betreten wir das Wohnhaus. Nur ein kurzer Blick ist dem Büro vergönnt. Zu seinem Bedauern verbringt Gunnar heute den größten Teil seiner Arbeitszeit hier am Schreibtisch, lässt es sich aber nicht nehmen, selbst auf dem Trecker zu sitzen oder auf am Markt seine Ware zu verkaufen. Neben der Tätigkeit als Geschäftsführer des Windpark Adlerhorst ist es dem Familienvater wichtig, genug Zeit mit den Kindern zu verbringen. Die Vielzahl der Tätigkeiten hat ihren Grund: Es hat sich bewährt, in Produktion und Vermarktung mehrere Standbeine zu haben, in regenerative Energie zu investieren und den Betrieb stetig zu erweitern. Ein Teil des Hauses ist heute als Büroräume an eine Windkraftfirma vermietet - früher war hier der Kuhstall.

 

Nichts von alldem wäre möglich ohne Gunnars Frau Sina. Durch die Küche gelangen wir auf die geräumige, überdachte Veranda, wo sie sich zu uns gesellt. Sie mag ruhiger sein als ihr Gatte und sich lieber im Hintergrund halten, aber das schmälert nicht ihren Beitrag. Auf dem Hof ist die gelernte Schäferin für die Tiere zuständig.

 

Lämmerfütterung

Mia Magdalena, älteste Tochter, liegt lesend in der Hängematte, die zwischen den Birnbäumen gespannt ist. Der ruhige Eindruck täuscht, die Leseratte ist jederzeit bereit, herumzutoben oder mal eben so zum Spaß zehn Kilometer zu laufen. Ihr Bruder Thore Konrad sitzt über ihr auf einem Ast und plant sein Baumhaus. Nach der Schule hat er meistens erst Zeit fürs Mittagessen, wenn er aus herumliegendem Holz eine schöne Sitzbank gebaut hat. Frieda Jolanda, die jüngste, ist drüben bei den kleinen Lämmern, denen sie mit Hingabe frische Milch verabreicht.

 

 

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Gunnar ist selten um einen kernigen Spruch verlegen. Die Frage, ob er auch die Süßkartoffeln selbst anbaut, beantwortet er so: "Jaaaa, in unserem Zweigbetrieb in Südspanien." Dabei sieht er so aus, als hätte er gegen eine solche Filiale nicht das Geringste einzuwenden, aber im Grunde ist dem rauhen Norden zutiefst verbunden.

 

Als Gunnar, Jahrgang 1964, Landwirtschaft studierte, war es für ihn keine Frage, dass er später den elterlichen Betrieb übernehmen und auf ökologischen Landbau umstellen würde - was er dann 1993 auch tat. Für seine Diplomarbeit reiste er ins Tiefland Kolumbiens - auf einem Bananenfrachter.

 

Er fing mit bescheidenen 5 Hektar Kartoffeln und 12 Reihen Erdbeeren an. Gunnars Philosophie hat sich seitdem nicht verändert: Er wollte "weg von der Pestizidspritzerei, weil diese Art Landwirtschaft langfristig keine Zukunft haben kann." Er wollte "weg vom Größer Größer Größer, Nischen finden, um mit dieser Betriebsgröße Gewinn zu erzielen." Das hieß auch, die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen. Sein Vater ging noch den klassischen Weg, an eine Vermarktungsgesellschaft zu liefern: "Der wusste ja gar nicht, wie man ne Rechnung schreibt. Das gab ja überall Gutschriften: Liefern liefern liefern und nachher gucken, was die einem dafür geben.“

 

Gunnar schielte gleich auf die Metropole Hamburg, etablierte sich auf den Hamburger Öko-Wochemärkten. Dazu gehörte viel Selbstausbeutung, doch der Erfolg gibt Gunnar Recht. Inzwischen trägt Lars Wiencke die Verantwortung für den Marktbetrieb, Gunnar lässt es sich als Gesellschafter aber nicht nehmen, selbst die grüne Schürze überzuziehen.

 

Aus dem Dorf schlug dem ersten und einzigen Biobetrieb zunächst eine gehörige Portion Skepsis entgegen. Dank wirtschaftlichem Erfolg und Gunnars langjährigem Einsatz in der Faustballmannschaft des SZ Ohrstedt ist der Betrieb inzwischen in ein funktionierendes Dorfleben voll integriert. Davon zeugen die vielen Saisonarbeitskräfte aus der Gegend, die teilweise schon seit Jahren dabei sind. Seit einigen Jahren ist Söth´s Bioland Ausbildungsbetrieb.

 

Langsam wachsen, professioneller werden, und dabei sich selbst treu bleiben und den Spaß nicht vergessen: Das soll auch in Zukunft der Weg des Unternehmens sein.

 

Gunnar Söth

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