Hintergrund: Ökologischer Landbau und Bioland

Bestimmt haben auch Sie sich einmal gefragt, warum Sie konsequent Bio-Produkte kaufen - obwohl die doch erheblich teurer sind; obwohl die Skandale neuerdings auch die Biobranche betreffen. Schmeckte nicht das Abendessen bei den Nachbarn keineswegs widerlich, sondern im Gegenteil ganz vorzüglich, obwohl das ganz bestimmt kein Bio war?

 

Und dann ist ihnen wieder eingefallen, wie das damals war: Als Sie nach den ganzen Fleischskandalen beschlossen, Vegetarier zu werden, ein Verzicht, der Ihnen jedoch schwerfiel, bis Sie dazu übergingen, sich zu seltenen Gelegenheiten ein Stück Bio-Fleisch zu gönnen und dieses Festmahl dann richtig zu genießen? Oder als Ihnen mit der Geburt des ersten Kindes die Verantwortung bewusst wurde, die Sie für die Gesundheit und die Zukunft eines kleinen Menschen trugen? Oder als Sie am Biostand auf dem Markt voller Überraschung in einen Apfel bissen, der wie ein Apfel schmeckte, genau wie früher in Omas Garten, und danach eine Erdbeere probierten, die ihnen keinen unangenehmen Hautausschlag bescherte, sondern ein intensives Geschmackserlebnis, wie Sie es selten zuvor erlebt hatten?

 

Die Gründe, sich biologisch zu ernähren, sind vielfältig. Unsere Motivation hingegen ist leicht zu formulieren: Wir möchten unseren Betrieb so führen, wie es auch in Zukunft möglich sein wird. Wir verzichten im Anbau auf Pestizide und künstlichen Dünger und lehnen Gentechnik ab. Wir vermarkten unsere Ware in kleinen, überschaubaren Strukturen. Wir investieren in regenerative Energien.

 

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Von Anfang an war es keine Frage, dem Bioland-Verband beizutreten. Bioland steht für strenge Richtlinien, ohne ideologischen Ballast wie z.B. bei Demeter: Eine Vorstellung von "Wurzelrassen", von denen die "Arier" auf der höchsten Stufe stehen, benötigen wir nicht.

 

Die Einhaltung der Standards wird jährlich von der unabhängigen Zertifizierungsstelle AbCert kontrolliert. Das umfangreiche Sortiment unseres Marktstandes kommt natürlich nicht ohne Importware aus, die lediglich nach der laxeren EG-Bio-Richtlinie zertifiziert sind. Unsere Großhändler, Behncken und Grell, verfolgen jedoch ebenfalls unsere Ziele und arbeiten nach Möglichkeit mit kleinen Erzeugern zusammen, zu denen sie persönlichen Kontakt pflegen. Neben den obligatorischen Kontrollen vor Ort lassen sie die gelieferte Ware zusätzlich analysieren.

 

Die Nährstoffversorgung auf unseren Feldern wird auf zwei Wegen sichergestellt: Bei der sogenannten Gründüngung werden Leguminosen, z.B. Kleegras, als Zwischenfrucht angebaut. Leguminosen gewinnen ihren Stickstoff aus der Luft, anstatt ihn dem Boden zu entziehen, und wenn die Pflanze nach der Wachstumsperiode in den Boden eingearbeitet wird, steht der zusätzliche Stickstoff der Folgekultur zur Verfügung. Da dies aber nicht ausreicht, verwenden wir zusätzlich organischen Dünger. Die Zusammenarbeit mit Backensholz versorgt uns mit einer ausreichenden Menge biologisch erzeugter Gülle. Die Unkrautbekämpfung erfolgt im Wesentlichen mechanisch sowie durch Handarbeit. Verlusten durch Krankheiten und Schädlingen kann durch weite Fruchtfolgen vorgebeugt werden. Auch hier ist die Zusammenarbeit mit Backensholz hilfreich. Trotzdem ist das Risiko für Ernteausfälle im ökologischen Landbau zweifellos höher als im konventionellen.

 

Qualität ist oft eine Frage geeigneter Sortenwahl und größtmöglicher Frische beim Verzehr. Sobald ein Salatkopf geerntet ist, beginnt der Zerfall des Vitamin C, während eine Erdbeere, die vollreif geerntet wurde, nicht länger als einen Tag haltbar ist, dafür aber ein unvergesslich intensives Geschmackserlebnis verspricht. Es empfiehlt sich also, auf kurze Vermarktungswege zu achten und möglichst direkt beim Erzeuger einzukaufen, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt. Wir arbeiten mit kleinen, auf geschmacksintensive Sorten spezialisierten Gärtnereien zusammen.

 

Ressourcenschonende, arbeitsintensive Produktion, Verwendung ertragsärmerer Sorten von hoher Qualität, erhöhtes Ertragsrisiko - wie auch die Tatsache, dass wir langjährigen Mitarbeitern realistische Löhne zahlen, anstatt eine endlose Folge bedauernswerter Wanderarbeiter gnadenlos auszubeuten - dies alles führt dazu, dass unsere Preise über dem Niveau der konventionellen Landwirtschaft, aber auch der Bio-Discounter liegen. Wer jedoch darauf achtet, die jeweiligen Saisonprodukte zu kaufen (oder sich beim Einkauf entsprechend beraten lässt), wird feststellen, dass eine konsequent biologische Ernährung den Geldbeutel gar nicht über Gebühr belasten muss: Ein langjähriger Stammkunde wurde von seinen Arbeitskollegen solange darauf angesprochen, Bioessen sei doch so teuer, bis er ein bisschen rechnete und feststellte, dass seine Familie nicht mehr Geld für Essen ausgab als die Kollegen. Das Geheimnis: Die Bios nahmen ihre Mahlzeiten zu Hause ein oder nahmen sie von dort mit, während sich die belegten Brötchen und Imbisse der Kollegen zu einem enormen Kostenfaktor summierten.

 

Nun ist allerdings Bio nicht gleich Bio. Die EG-Biorichtlinie, kleinster gemeinsamer Nenner für den ökologischen Landbau in der Europäischen Union und darüber hinaus, erlaubt wesentlich mehr Zusatzstoffe in größerer Dosierung, als es Verbände wie Bioland tun. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass das EG-Siegel Mischbetriebe zulässt. Dies sind Betriebe, die neben der konventionellen Landwirtschaft auch noch ein Bio-Segment haben, zum Beispiel weil sich damit andere Märkte erschließen oder höhrere Preise erzielen lassen. Wenn dann eine Bestellung von x Paletten Biogurken eintrifft, und man hat die nicht, aber dafür reichlich konventionelle Gurken, ist die Versuchung leicht gegeben, die konventionellen Gurken einfach umzudeklarieren und zu hoffen, dass es niemandem auffällt. Mitglied bei Bioland kann man hingegen nur sein, wenn der ganze Hof ausschließlich nach Bioland-Richtlinie arbeitet. Gleiches gilt für andere Verbände wie Naturland oder Demeter.

 

Der ökologische Landbau, gleich welchen Verbandes, sieht sich seit einigen Jahren einer neuen Bedrohung ausgesetzt: Der Bioboom, der sich vorwiegend in Bio-Discountern und großen Bio-Sortimenten der großen Ketten wie Edeka ausdrückt, hat die klassischen Ökoläden bereits weitgehend vom Markt verdrängt. Die großen Strukturen führen auf Erzeugerebene zu Abhängigkeiten und Preisdruck, wie sie in der konventionellen Landwirtschaft bereits vor Jahrzehnten etabliert wurden. Zu Lasten der Bauern, die mit jedem verkauften Liter Milch ärmer anstatt reicher werden. Zu Gunsten der Verbraucher, dank günstiger Preise? Wir möchten auch in Zukunft unseren Mitarbeitern und Erntehelfern gerechte Löhne bezahlen. Unser Ziel ist der Anbau geschmacksintensiver Sorten, auch wenn deren Ertrag nicht den der discounterkompatiblen Hochertragssorten erreicht. Wir wehren uns gegen eine Aufweichung von Standards unter der EG-Bio-Richtlinie. Nur kleine Handelsstrukturen wie der Bioladen oder Markshändler Ihres Vertrauens garantieren größtmögliche Transparenz: Würde auf einer an unserem Marktstand gekauften Gurke ein Krankheitserreger gefunden, ließe sich die Herkunft der Gurke innerhalb weniger Minuten zweifelsfrei klären.

 

Es gibt viele Gründe, sich für ökologisch erzeugte Nahrungsmittel zu entscheiden. Dass Bioprodukte besser schmecken, lässt sich nicht pauschal behaupten, ist aber in manchen Fällen plausibel, da z.B. keine Mittel zur Wachstumsbeschleunigung bzw. Reifeverfrühung eingesetzt werden. Und wenn die Hühner Gras und Getreide picken und kein Fischmehl die Legeleistung erhöht, schlägt sich das merklich im Geschmack der Eier nieder. Vielen Verbrauchern geht es darum, sich oder insbesondere ihre Kinder gesund zu ernähren. Hier hat "bio" den Vorteil, auf eine ganze Palette von Agrarchemikalien vollständig zu verzichten - eine geringere Schadstoffbelastung liegt auf der Hand.

 

Vor allem bedeutet ökologischer Landbau aber, die natürlichen Grundlagen zu schonen. Naturschutz ist im Interesse des Biobauern, der auf Nützlinge im Boden angewiesen ist und als Erosionsschutz Knicks anlegt, die den Lebensraum zahlreicher Tierarten bilden. Wo keine Chemikalien eingesetzt werden, können sie sich auch nicht im Boden anreichern oder ins Grundwasser gelangen. Wer also Bioprodukte bevorzugt, leistet einen glaubwürdigen Beitrag zum Umweltschutz.

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